Kopf und Herz entscheiden

von Dagmar Nieß

In diesem Fall wird der großer Herzenswunsch einer Klientin für eine berufliche Veränderung betrachtet.  Allerdings soll die Entscheidung noch einmal mit individuellen  Bewertungskriterien gewichtet werden, damit die Klientin sicher sein kann, an alles gedacht zu haben, und dass die Entscheidung eine gute Zukunft hat.


Das ist der Stand der Dinge

Alexandra A. arbeitet seit Jahren in einem Büro mit mehreren Schreibkräften und einer Teamleiterin in einem mittelständigen Unternehmen.

 

Seit einiger Zeit langweilt sie ihre Arbeit zunehmend, da sie keine Möglichkeit sieht, ihre Position zu verändern. Die alte Teamleiterin wurde vor ein paar Jahren durch eine jüngere ersetzt. Gerne hätte sie heute diesen Posten. Damals fühlte sie sich für diese Aufgabe noch nicht bereit. 

 

Die Alternativen werden geprüft!

Alexandra will wissen, ob ihre Entscheidung, ihre Firma zu verlassen und in das wunderschöne, östliche Voralpenland zu ziehen, um dort an einer Hotelrezeption zu arbeiten, die richtige ist.  Sie hat sich bereits ein Hotel  ausgesucht und auch schon ihre Bewerbung hingeschickt. Auch ihr Partner würde  seinen Job aufgeben und mit umziehen. Es scheint alles perfekt zu sein.  

 

Kriterien werden erarbeitet

Wie in den vorherigen Artikeln beschrieben, werden wieder die Kriterien bestimmt, die Alexandra sehr wichtig sind.


Hier ist jetzt Kopfarbeit gefragt und dabei ist es wichtig auch das Bauchgefühl die Herzenswünsche! Es ist gut, Schritt für Schritt das bekannte Schema abzuarbeiten, um aus dem ewigen Gedankenkarussel raus zu kommen.

Knappes Ergebnis und neue Klarheit

Das Ergebnis ist sehr knapp ausgefallen. Alexandra war sichtlich überrascht und auch irritiert. Hatte sie doch ein viel eindeutigeres Ergebnis für den Wechsel erwartet. Ihre Gewichtung mit Faktor 2 für das Kriterium "Umgang mit Menschen" ist mit 180 Punkten fast doppelt so hoch umzuziehen als für das Bleiben. Allerdings verkehren die Kriterien "Sicherheit" und "Nähe zu den alten Eltern" mit den großen Unterschiede in den Punkten die Situation, eben doch zu bleiben. 

Die neue Klarheit bestand für Alexandra darin, dass die geringe Sicherheit und die Entfernung zu den alten Eltern gewichtiger ist als sie gedacht hatte. Sie und ihr Partner gingen noch einmal alles zusammen durch und entschieden sich letztendlich doch für das Bleiben.

 

Ein halbes Jahr später wechselte Alexandra als 1. Sekretärin in ein anderes Büro mit viel Kundenkontakt. Hier kann sie ihre oben genannten Kriterien wesentlich positiver erleben und ist viel zufriedener.

 

Ein überraschendes Ende durch Kopf und Herz.


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Kommentare: 2
  • #1

    Wolfgang Sternkopf (Donnerstag, 01 Februar 2018 11:25)

    Ich denke, aufgrund des sehr geringen Unterschieds der Auswertung, spielt die ges. Persönlichkeit eine enorme Rolle und somit lässt sich es nicht an den sechs Bereichen ablesen. Wer Veränderung möchte, muss agieren und von sich selbst überzeugt sein.

  • #2

    Sabine Neugebauer (Donnerstag, 01 Februar 2018 12:29)

    Hallo Herr Sternkopf, danke für Ihren Kommentar!
    Sie weisen auf etwas Wichtiges hin: Verändern geht nur über Tun. Die Entscheidung bereitet ja nur den Boden dafür vor. Der Nutzen der Kriterienbewertung liegt weniger in der Differenz der Gesamtsummen, sondern in dem unterschiedlichen Profil: die Vorteile der einen Alternative sind oft die Schwächen der anderen. Dann heißt es, genau zu spüren: "Bin ich bereit, diese Folgen zu akzeptieren?" Wenn das gegeben ist, kann man - genau wie Sie schreiben - "agieren und von sich selbst überzeugt sein".
    Ihnen alles Gute für Ihre Entscheidungen!
    Sabine Neugebauer