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Willenskraft erhöhen - über meine Werte

von Sabine Neugebauer

Die Umsetzung einer Entscheidung wird leichter, wenn wir sie mit den eigenen Wertvorstellungen verbinden. So bekommt das neue Verhalten Wurzeln und wird mit Energie versorgt. Wie geht man da vor?


Fesselballons am Himmel, (c) CC0 Creative Commons, Pixalia

Entscheidungen umsetzen - gewusst wie

Auch nach einer Entscheidung können wir viel dafür tun, dass der Wunsch Wirklichkeit wird. Wie im vorherigen Blogartikel ausführlich dargestellt, sind die Drehschrauben dazu:

  • der Wert des Entscheidungsziels
  • die Erwartung, dass ich erfolgreich sein kann.

Die Verknüpfung mit unseren persönlichen Wertvorstellungen ist ein richtiger Turbolader für mehr Willenskraft. Denn es fühlt sich einfach gut an, wenn wir uns so verhalten, wie wir es für richtig halten. Automatisch geschieht das jedoch nicht: Verhalten und Einstellungen zeigen insgesamt nur einen mäßigen Zusammenhang. Also müssen wir ihn gezielt stärken!

An meinen Werten verankern

In einem ersten Schritt frage ich mich, welche meiner inneren Wertvorstellungen ich damit verwirkliche, wenn ich die getroffene Entscheidung auch konsequent umsetze. Bei längerem Hinspüren fallen mir zwei oder drei wichtige Werte ein. Damit wird die Umsetzung der Entscheidung emotional aufgeladen: Mit sich im Einklang zu sein, seinem inneren Kompass zu folgen, das setzt Belohnungsmechanismen in Gang. Und eine solche Belohnung ist oft notwendig, wenn der innere Schweinehund mich davon abhalten will, das Entschiedene auch zu tun!

Der zweite Schritt besteht darin, pfiffige Möglichkeiten zu finden, wie ich mich im Alltag immer wieder an diese Werte erinnern kann. Damit dieses gute Gefühl oft ausgelöst wird und die geplanten Handlungen sind stimmig anfühlen.

Das Beispiel von Lars und dem Sport

Vielleicht kennen Sie noch den Fall von Lars aus einem der letzten Blogbeiträge:

Mit Blick auf seinen runden Geburtstag in diesem Jahr- 30 Jahre! - hatte er am Jahresanfang beschlossen, etwas für seine Fitness zu tun. In seiner Schulzeit war er total sportlich gewesen, und daran wollte er wieder anknüpfen. Er hatte sich ein Fitness-Studio und  eine Trampolinhalle angesehen, aber dann hatte er sich für einen Handballverein entschieden. Dort spielte nämlich auch sein alter Schulfreund Sven, den er bei dieser Gelegenheit mal wieder öfter sehen würde. Die ersten beiden Trainings waren auch klasse - vom Muskelkater einmal abgesehen. Doch dann kam eine Grippe, die ihn für drei Wochen lahm legte. Und dann eine Dienstreise. Und dann hatte seine Mutter Geburtstag. Und dann kam ein Projekt mit Überstunden bis in den Abend. Letztendlich war er nur noch sporadisch gekommen, der Trainingsfortschritt stagnierte, Sven war enttäuscht. Und Lars selber auch.

Werte als Rückenwind für die Entscheidung

Wenn man sich dabei erwischt, eine Entscheidung doch nicht durchzuführen, kann man sie natürlich aufgeben. Oder man organisiert Rückenwind!

Weshalb war Lars der Sport wichtig? Weshalb hat er sich dafür entschieden? Sofort fällt ihm ein, dass er fit bleiben will. Als ersten Wert notieren wir

  • Fitness, Gesundheit

Und was liegt darunter? Warum ist es ihm wichtig, fit zu sein?  Lars findet das zunächst selbstverständlich.  Um weitere Erkenntnisse anzustoßen, kann man dann andersherum überlegen: Was ginge denn verloren, wenn er nicht mehr fit wäre?

Auf einmal wird seine Mimik sehr lebendig. Es geht ihm darum, ein attraktiver Mann zu sein, und ein sportliches Aussehen, Beweglichkeit und Kondition gehören für ihn dazu. Wir notieren:

  • Attraktivität

Allerdings... ist das ein "innerer Wert"? Da könnte ein zweiter Blick helfen. Wofür steht das bei Lars? Er erkennt, dass es ihm weniger um Erfolg bei Frauen geht als darum, sich selbst zu mögen. Und nicht so zu werden wie sein Vater.

Und damit findet er seinen wirksamsten Wert: Er erzählt aus seiner Jugend, wie Freunde mit ihren Vätern aufregende Bergtouren machten, aber sein Vater hatte schon "Rücken" und unternahm nichts mit ihm. Er war insbesondere enttäuscht, weil sein Vater sich hängen ließ, nichts gegen sein Übergewicht tat und mit dem Auto zum Brötchen holen fuhr. So ein schlaffer Sack wollte er um keinen Preis werden. Er würde für seine Kinder stark sein und ihnen die Welt zeigen wollen.

Wir lächelten beide ein wenig über die noch nicht vorhandenen Kinder und fanden dann die Formulierung

  • ein starker Vater sein wollen

Werte im Alltag sichtbar machen

Wenn die wichtigsten Werte gefunden sind, die eine Entscheidung mit Energie versorgen können, dann müssen sie vor dem Vergessen bewahrt werden. Wo und wie kann ich im Alltag kleine Merker platzieren, damit ich mich daran erinnere?

Lars legt gleich los mit Bodenankern. Er schreibt jeweils ein Kärtchen für seine Werte

  • Fitness, Gesundheit
  • Attraktivität
  • ein starker Vater sein wollen.

Dann legt er sie auf den Boden, stellt sich nacheinander darauf und konzentriert sich: "Ich mache Sport, weil ich fit und gesund sind will." "Ich geh zum Handball, weil ich attraktiv bleiben will." "Ich geht zum Training, weil ich ein starker Vater werden will."  Schade, dass heute Abend kein Training ist!

Als visuellen Anker plant Lars einen Fotorahmen für seinen Schreibtisch. Dort müsste, nein will er demnächst die richtige Entscheidung fällen, nämlich rechtzeitig mit der Arbeit aufzuhören, sich nicht anderweitig zu verabreden, sondern zum Training zu gehen. In den Rahmen sollen zwei Fotos: ein Urlaubsfoto , das ihn beim Beach Volleyball zeigt, und ein Kinderfoto von früher. Damit kann er sich gut an seine Werte erinnern, ohne dass die Kollegen irgendwas komisch finden.


Die eigenen Werte geben Kraft

Was ist ein erfolgreiches Leben? Bequemlichkeit ist da bestimmt nicht entscheidend, und auch nicht der Applaus von außen. Viel wesentlicher ist es, sich selbst treu zu bleiben und das zu verwirklichen, was man als Potenzial hat. Psychologen sprechen auch lieber von einem "gelungenen" Leben. Die eigenen Werte sind zum einen der Radar, nach dem wir uns ausrichten können, und sie sind auch der Motor, der uns Kraft gibt - für Sport und andere noch wichtigere Ziele.


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